Mobiltelefon "Motorola DynaTAC 8000X" (US-Version) mit Tischladestation
Datierung
07.1984
Verwendung
ab 08.1986
Hersteller
Motorola Inc. (1928 - 2011)
Entwickler
Martin Cooper (*1928)
Designer
Rudy Krolopp (*1930)
Herstellungsort
Schaumburg, Illinois, Vereinigte Staaten von Amerika
Material
Kunststoff
Farbe
grau; braun
Objektmaß (b x h x t)
45 x 336 x 84 mm
Gewicht
833 g
Systematik
Mobiltelefonie/analoge Mobiltelefone
Typenschild
M[odel]: F09DTD8824AK (Unterseite)
Typenschild
FCC ID: ABZ 89FT5620 (Unterseite)
Seriennummer
S[erial]: 472 CJN 1492 (Unterseite)
Objektart
Original
Inventar-Nr.
4.2024.471
Das DynaTAC 8000X war das weltweit erste tragbare Mobiltelefon. Erstmals konnten damit Telefonate unterwegs geführt werden, ohne auf ein fest eingebautes Autotelefon angewiesen zu sein. Das »erste Handy der Welt« war für den US-amerikanischen Mobilfunkstandard Advanced Mobile Phone Systems (AMPS) entwickelt worden. Entsprechend war die Nutzung geographisch auf die USA eingeschränkt. Dort war die US-Version ab dem 13. März 1984 erhältlich. Ab 1985 wurde es auch in Großbritannien (UK-Version) vertrieben. In Deutschland führte die Deutsche Bundespost 1985 das C-Netz ein, mit dem die technischen Anforderungen des DynaTAC 8000X nicht kompatibel waren. Erst als 1992 das digitale GSM-Netz in Deutschland eingeführt wurde, konnte hierzulande das erste DynaTAC-Modell (DynaTAC International 3200) genutzt werden.
Dem Verkaufsstart des DynaTAC 8000X in den USA waren 11 Jahre umfänglicher Entwicklungsarbeit vorausgegangen. Der Elektroingenieur Martin Cooper hatte bereits 1973 einen Prototyp vorgestellt und damit von einem Bürgersteig mitten in Manhattan seinen Konkurrenten Joel Engel bei Bell Laboratories angerufen. Die (Werbe-)Aktion schrieb Geschichte, doch die scheinbare Leichtigkeit des mobilen Telefonierens war damals nur durch eine provisorisch installierte Netztechnik möglich. Nachdem der »proof of concept« vorlag, entwickelte er zusammen mit dem Industriedesigner Rudy Krolopp das Gerät für den Hersteller Motorola weiter, bis das DynaTAC 8000X schließlich am 21. September 1983 die Zulassung der Federal Communications Commission (FCC) erhielt. Parallel dazu bauten die Bell Laboratories das weltweit erste zellulare Mobilfunknetz auf, das am 13. Oktober 1983 eröffnete. Erst als beides – das Gerät und das Netz – verfügbare war, konnte das DynaTAC 8000X über den Netzbetreiber AT&T vermarktet werden. Verkaufsstart war der 13. März 1984. Der Modellname DynaTAC steht für Dynamic Adaptive Total Area Coverage und nimmt Bezug auf die damals neue Mobilfunktechnik, mit der die Menschen erstmals überall erreichbar waren; zumindest überall dort, wo das Netz verfügbar war.
Das DynaTAC 8000X wiegt 800 Gramm und bietet eine Gesprächszeit von etwa einer halben Stunde, bevor es zehn Stunden lang geladen werden muss. Es hatte ein kleines digitales LED-Display, das die eingegebenen Nummern rot angezeigt. Zudem verfügte es über einen Nummernspeicher für 30 Telefonnummern. Für die damalige Zeit war ein derart kompaktes Mobiltelefon eine technische Sensation. Trotz des hohen Preises von 3.3995 USD (2023 entsprach das rund 11.7000 USD) verkaufte Motorola daher im ersten Verkaufsjahr rund 300.000 Einheiten. Vor allem junge und karrierebewusste Städter:innen – die Young Urban Professionals (kurz: Yuppies) – erwarben das neuartigen Mobiltelefone und stellten es als Statussymbol zur Schau. Im Film »Wall Street« telefoniert der Investment-Banker Gordon Gekko (gespielt von Michael Douglas) entsprechend mit einem DynaTAC. Auch im Sequel »Wall Street: Money Never Sleeps« von 2010 hat es einen kurzen Auftritt. In den ersten Szenen wird Gekko aus dem Gefängnis entlassen, wobei ihm der Wärter auch sein Handy von damals aushändigt. Es ist nur ein Beispiel von vielen, in denen das DynaTAC Eingang in die Popkultur fand und schnell zu einer Ikone der frühen digitalen Kommunikations- und Informationsgesellschaft wurde.
Als erstes Handy der Welt setzte das DynaTAC 8000X auch mit Blick auf das Design der Mobiltelefone neue Maßstäbe. Es führte die funktionale Barren-Form mit einem Tastenblock direkt unter dem Display ein, die nachfolgend sämtliche Hersteller aufgriffen – bis Motorola mit der Einführung des Klapphandys 1996 (StarTAC-Modelle) abermals neue Maßstäbe für das Mobiltelefon-Design setze. Aufgrund seiner Bauform, die an den Enden etwas breiter ist als in der Mitte, erhielt das DynaTAC 8000X zeitgenössisch den Spitznamen »Knochen«. Nachdem die Handys in den 1990er Jahren deutlich kompakter geworden waren, verselbstständigte sich diese Bezeichnung und wurde auf alle sperrigen Mobiltelefone übertragen. Bis 1993 wuchs die DynaTAC-Modellfamilie auf insgesamt neun Modelle an, bis sie die deutlich kleineren und leichteren MicroTAC-Modelle verdrängten.
Chronologische Liste der DynaTAC-Modelle (1984–1993):
DynaTAC 8000X (1984)
DynaTAC 8000S (1985)
DynaTAC 8000M (1987)
DynaTAC 8500X (1987)
DynaTAC 8800X (1989)
DynaTAC 8900X (1990)
DynaTAC International 3200 (1992)
DynaTAC International 3300 (1993)
DynaTAC Classic II (1993)
Unser Modell wurde in der ersten Julihälfte 1984 (zwei Monate nach Verkaufsstart) hergestellt und gehört somit zu den frühesten Geräten. Laut Verzeichnis der FCC wurde es im August 1986 für den Verkauf zugelassen. Seinen Weg nach Europa fand das Mobiltelefon über einen tschechischen Privatsammler, der es 2010 auf einer Auktion erwarb, wo die Wittwe des Vorbesitzers es nach dem Tod ihres Mannes verkaufte. Über den Vorbseitzer selbst (z.B. seinen Beruf) ist nichts bekannt. Laut des Privatsammlers, zeigte ein Foto im Aukionskatalog das Gerät auf einem Tisch im Haus der Vorbesitzer, der auf wohlhabende Verhältnisse hinweise. Der Privatsammler verkaufte es dann 2014 an Franz Berlich in Berlin, der zehn Jahre lang auf der Suche nach einem gut erhaltenen Gerät war, bis er es auf Ebay fand. »Ich habe sämtliche Suchfiler aktiviert, aber nie ein passendes Exemplar gefunden«, fasste er im Interview seine Suche zusammen, die er schon im Alter von 14 Jahren begann. Das Interessante ist: Er ist kein Sammler und hat auch sonst keine Mobiltelefone oder anderes technisches Kulturgut erworben. Sein einziges Interesse galt dem DynaTAC 8000X, dem ersten Handy der Welt. Zu seiner selektiven Faszination erklärte er: »Ich wollte etwas Besonderes haben; etwas, das nicht jeder hat; und etwas, das sich nicht jeder kaufen kann.« Nachdem er es erworben hatte, stand es zehn Jahre lang bei ihm auf einem Beistelltisch und war Teil eines stilvollen historischen Arrangements, bevor er es 2024 der Museumsstiftung Post und Telekommunikation zum Kauf anbot. Alle drei Monate lud er den Akku des Handys auf, um es »lebendig« zu halten. Dadurch ist es nicht nur auffallend gut erhalten, sondern auch funktionsfähig. Der heutige Funktionsumfang des Geräts beschränkt sich jedoch auf das LED-Display, auf dem die eingegebenen Ziffern rot aufleuchten. Da die analogen Mobilfunknetze mittlerweile abgeschaltet sind, kann es nicht mehr als Telefon eingesetzt werden. Laut Recherchen des Online-Handymuseums mobilephonemuseum.com, soll der Kanadier Kosta Tsiriotakis im Juni 2007 das letzte Gespräch mit einem DynaTAC 8000X geführt haben – kurz bevor das Netz abgeschaltet wurde.
Dem Verkaufsstart des DynaTAC 8000X in den USA waren 11 Jahre umfänglicher Entwicklungsarbeit vorausgegangen. Der Elektroingenieur Martin Cooper hatte bereits 1973 einen Prototyp vorgestellt und damit von einem Bürgersteig mitten in Manhattan seinen Konkurrenten Joel Engel bei Bell Laboratories angerufen. Die (Werbe-)Aktion schrieb Geschichte, doch die scheinbare Leichtigkeit des mobilen Telefonierens war damals nur durch eine provisorisch installierte Netztechnik möglich. Nachdem der »proof of concept« vorlag, entwickelte er zusammen mit dem Industriedesigner Rudy Krolopp das Gerät für den Hersteller Motorola weiter, bis das DynaTAC 8000X schließlich am 21. September 1983 die Zulassung der Federal Communications Commission (FCC) erhielt. Parallel dazu bauten die Bell Laboratories das weltweit erste zellulare Mobilfunknetz auf, das am 13. Oktober 1983 eröffnete. Erst als beides – das Gerät und das Netz – verfügbare war, konnte das DynaTAC 8000X über den Netzbetreiber AT&T vermarktet werden. Verkaufsstart war der 13. März 1984. Der Modellname DynaTAC steht für Dynamic Adaptive Total Area Coverage und nimmt Bezug auf die damals neue Mobilfunktechnik, mit der die Menschen erstmals überall erreichbar waren; zumindest überall dort, wo das Netz verfügbar war.
Das DynaTAC 8000X wiegt 800 Gramm und bietet eine Gesprächszeit von etwa einer halben Stunde, bevor es zehn Stunden lang geladen werden muss. Es hatte ein kleines digitales LED-Display, das die eingegebenen Nummern rot angezeigt. Zudem verfügte es über einen Nummernspeicher für 30 Telefonnummern. Für die damalige Zeit war ein derart kompaktes Mobiltelefon eine technische Sensation. Trotz des hohen Preises von 3.3995 USD (2023 entsprach das rund 11.7000 USD) verkaufte Motorola daher im ersten Verkaufsjahr rund 300.000 Einheiten. Vor allem junge und karrierebewusste Städter:innen – die Young Urban Professionals (kurz: Yuppies) – erwarben das neuartigen Mobiltelefone und stellten es als Statussymbol zur Schau. Im Film »Wall Street« telefoniert der Investment-Banker Gordon Gekko (gespielt von Michael Douglas) entsprechend mit einem DynaTAC. Auch im Sequel »Wall Street: Money Never Sleeps« von 2010 hat es einen kurzen Auftritt. In den ersten Szenen wird Gekko aus dem Gefängnis entlassen, wobei ihm der Wärter auch sein Handy von damals aushändigt. Es ist nur ein Beispiel von vielen, in denen das DynaTAC Eingang in die Popkultur fand und schnell zu einer Ikone der frühen digitalen Kommunikations- und Informationsgesellschaft wurde.
Als erstes Handy der Welt setzte das DynaTAC 8000X auch mit Blick auf das Design der Mobiltelefone neue Maßstäbe. Es führte die funktionale Barren-Form mit einem Tastenblock direkt unter dem Display ein, die nachfolgend sämtliche Hersteller aufgriffen – bis Motorola mit der Einführung des Klapphandys 1996 (StarTAC-Modelle) abermals neue Maßstäbe für das Mobiltelefon-Design setze. Aufgrund seiner Bauform, die an den Enden etwas breiter ist als in der Mitte, erhielt das DynaTAC 8000X zeitgenössisch den Spitznamen »Knochen«. Nachdem die Handys in den 1990er Jahren deutlich kompakter geworden waren, verselbstständigte sich diese Bezeichnung und wurde auf alle sperrigen Mobiltelefone übertragen. Bis 1993 wuchs die DynaTAC-Modellfamilie auf insgesamt neun Modelle an, bis sie die deutlich kleineren und leichteren MicroTAC-Modelle verdrängten.
Chronologische Liste der DynaTAC-Modelle (1984–1993):
DynaTAC 8000X (1984)
DynaTAC 8000S (1985)
DynaTAC 8000M (1987)
DynaTAC 8500X (1987)
DynaTAC 8800X (1989)
DynaTAC 8900X (1990)
DynaTAC International 3200 (1992)
DynaTAC International 3300 (1993)
DynaTAC Classic II (1993)
Unser Modell wurde in der ersten Julihälfte 1984 (zwei Monate nach Verkaufsstart) hergestellt und gehört somit zu den frühesten Geräten. Laut Verzeichnis der FCC wurde es im August 1986 für den Verkauf zugelassen. Seinen Weg nach Europa fand das Mobiltelefon über einen tschechischen Privatsammler, der es 2010 auf einer Auktion erwarb, wo die Wittwe des Vorbesitzers es nach dem Tod ihres Mannes verkaufte. Über den Vorbseitzer selbst (z.B. seinen Beruf) ist nichts bekannt. Laut des Privatsammlers, zeigte ein Foto im Aukionskatalog das Gerät auf einem Tisch im Haus der Vorbesitzer, der auf wohlhabende Verhältnisse hinweise. Der Privatsammler verkaufte es dann 2014 an Franz Berlich in Berlin, der zehn Jahre lang auf der Suche nach einem gut erhaltenen Gerät war, bis er es auf Ebay fand. »Ich habe sämtliche Suchfiler aktiviert, aber nie ein passendes Exemplar gefunden«, fasste er im Interview seine Suche zusammen, die er schon im Alter von 14 Jahren begann. Das Interessante ist: Er ist kein Sammler und hat auch sonst keine Mobiltelefone oder anderes technisches Kulturgut erworben. Sein einziges Interesse galt dem DynaTAC 8000X, dem ersten Handy der Welt. Zu seiner selektiven Faszination erklärte er: »Ich wollte etwas Besonderes haben; etwas, das nicht jeder hat; und etwas, das sich nicht jeder kaufen kann.« Nachdem er es erworben hatte, stand es zehn Jahre lang bei ihm auf einem Beistelltisch und war Teil eines stilvollen historischen Arrangements, bevor er es 2024 der Museumsstiftung Post und Telekommunikation zum Kauf anbot. Alle drei Monate lud er den Akku des Handys auf, um es »lebendig« zu halten. Dadurch ist es nicht nur auffallend gut erhalten, sondern auch funktionsfähig. Der heutige Funktionsumfang des Geräts beschränkt sich jedoch auf das LED-Display, auf dem die eingegebenen Ziffern rot aufleuchten. Da die analogen Mobilfunknetze mittlerweile abgeschaltet sind, kann es nicht mehr als Telefon eingesetzt werden. Laut Recherchen des Online-Handymuseums mobilephonemuseum.com, soll der Kanadier Kosta Tsiriotakis im Juni 2007 das letzte Gespräch mit einem DynaTAC 8000X geführt haben – kurz bevor das Netz abgeschaltet wurde.
Zitiervorschlag
Mobiltelefon "Motorola DynaTAC 8000X" (US-Version) mit Tischladestation , 07.1984; Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Inventarnummer: 4.2024.471,
URL: https://onlinesammlung.museumsstiftung.de/detail/collection/bbfa7483-f8a1-4431-b90f-514197cc4c56 (zuletzt aktualisiert: 9.8.2026)